Klimawandel

Einfach mal durchatmen bei einem Spaziergang im Wald, einen Schneemann bauen, zwischen blühenden Wiesen radeln oder im kristallklaren Wasser von Flüssen und Seen schwimmen. Wer möchte das schon missen?

Die Tatsache, dass genau das, nämlich unsere Lebensgrundlage, konkret in Gefahr ist, ist mittlerweile bei vielen angekommen. Und wir merken den viel zitierten Klimawandel auch schon selbst: Im Sommer 2015 wurden Hitzerekorde geknackt, es gab sehr große Trockenheit, unter der vor allem die Landwirtschaft gelitten hat, und dann wieder starke Unwetter.

Für diejenigen unter uns, die die Sonne lieben und den Sommer am See oder im Freibad verbringen konnten, war der heiße Sommer sicherlich toll. Für diejenigen, die arbeiten oder lernen mussten, wahrscheinlich auch anstrengend. 

Wer die Auswirkungen des Klimawandels jedoch besonders zu spüren bekommt, das sind die Menschen in den Ländern des Globalen Südens. Menschen, die nur knapp über oder sogar unter der sogenannten Armutslinie leben, leiden besonders unter den Folgen des Klimawandels. Für sie ist ein Ernteausfall, bedingt durch unvorhergesehene Hitzewellen oder Überschwemmungen, fatal. Sie haben keine Rücklagen, um diesen Schaden auszugleichen. Wenn sie ihre Lebensgrundlage verlieren, dann finden sich viele in einer Art Teufelskreis wieder: weniger Einkommen hat Auswirkungen auf die Ernährung der Familien, den Schulbesuch der Kinder oder die Gesundheit. Laut einer aktuellen Studie der Weltbank werden aufgrund des Klimawandels in den nächsten 15 Jahren zusätzlich 100 Millionen Menschen in die Armut stürzen. Eine Zahl, die für uns nur schwer fassbar ist. 

Doch nicht nur das: die Zahl der sogenannten Klimaflüchtlinge wird in den nächsten Jahren signifikant ansteigen. Nicht nur Bürgerkriege und gewaltsame Auseinandersetzungen werden Menschen in Zukunft vermehrt dazu zwingen ihre Heimat zu verlassen, sondern vor allem die Auswirkungen des Klimawandels. Wenn ihre Lebensgrundlage zerstört ist, werden sehr viele Menschen gar keine andere Wahl haben als sich auf den Weg zu machen.

Besonders ungerecht ist dabei, dass diese Menschen den Klimawandel gar nicht verursacht haben.

 

Die UN-Klimakonferenz

In wenigen Tagen startet die UN-Klimakonferenz in Paris, auf der 196 RegierungsvertreterInnen zusammenkommen. Ziel – aber gleichzeitig auch große Herausforderung – ist es einen globalen und rechtlich verbindlichen Klimavertrag abzuschließen, der für alle Staaten gilt und ab 2020 in Kraft treten soll. 

2°C ist die magische Grenze, die dabei in aller Munde ist. Die globale Durchschnittstemperatur soll auf weniger als 2°C gegenüber dem vorindustriellen Niveau begrenzt werden. 2°C klingen erst mal nicht viel, denn wenn sich im Laufe des Tages die Temperatur um 2°C ändert, dann merkt man davon fast nichts. Tatsächlich hat ein Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur von eben diesen 2°C aber massive negative Folgen für Ökosysteme, für Gesellschaften und letztendlich auch für uns. Mehr als 100 Länder des Globalen Südens fordern daher diese sogenannte klimapolitische Leitplanke auf 1,5°C zu setzen.

Ganz klar ist, dass politische Verpflichtungen unabdingbar sind, um die Erderwärmung zu begrenzen. Um das 2°C-Ziel zu erreichen bedarf es nicht nur den Verpflichtungen im Abkommen von Paris, sondern darüber hinaus auch viele weitere große Schritte in Politik, Wirtschaft – aber auch der Gesellschaft.

Klimawandel – für viele klingt das abstrakt oder als etwas um das sich PolitikerInnen auf höchster Ebene kümmern sollten. Oftmals ist vielen nämlich gar nicht klar, dass es nicht nur große politische Entscheidungen und Handlungen sind, die den Klimawandel begrenzen können. Ganz im Gegenteil: Jede und jeder kann seinen Beitrag dazu leisten; in ganz kleinen Dingen des Alltags. Und das ist eine gute Nachricht! Impulse, Infos und Anregungen dazu finden Sie auf overdeveloped.eu - Gutes Leben ist einfach.

Außerdem: weitere Materialien und Informationen rund um den Klimagipfel inklusive Videos und eine Infografik von den französischen Gastgebern der Konferenz.

Forderungen für Paris

Einige der Forderungen für das Abkommen in Paris sind:

  • Treibhausgasemissionen müssen noch stärker reduziert werden, um zumindest das 2°C-Ziel erreichen zu können. Die aktuellen Zusagen der einzelnen Länder sind nicht ausreichend.
  • Bereitstellung von Klimafinanzierung vor allem für Länder des Globalen Südens. Das heißt die Finanzierung von Aktivitäten zur Vermeidung von Treibhausgasemissionen und für Anpassungsmaßnahmen.
  • Unterstützung für die Menschen, die am meisten unter den Auswirkungen des Klimawandels leiden. Ein adäquater Umgang mit klimabedingten Schäden und Verlusten.
  • Klimarisikoversicherungen für arme und verletzliche Bevölkerungsgruppen.
  • Transparenz: einheitliche Messverfahren und festgelegte Milestones, damit die Ziele  regelmäßig überprüft und auch erhöht werden können. 
  • Anpassung an den Klimawandel: Maßnahmen und Strategien, um die unabwendbaren negativen Folgen des Klimawandels abfedern zu können.
  • Langfristiges Dekarbonisierungsziel: Ausstieg aus den fossilen Energiequellen bis spätestens 2050.

 

 

Der CO2-Rechner für Jugendliche

Wir haben einen CO2-Rechner entwickelt, mit dem jede Schülerin/jeder Schüler ganz leicht den eigenen individuellen CO2-Verbrauch ermitteln kann. Das OnlineTool ist speziell auf die Lebensrealität von Jugendlichen zugeschnitten und fragt konkrete Themenfelder ihres Alltags ab (Konsum, Mobilität, Freizeit).

Sehr schnell werden die SchülerInnen merken, dass sie selbst bei einem ganz „normalen“ Leben oder, wenn sie Energie nach unserem Verständnis nicht übertrieben verbrauchen, doch einen sehr hohen CO2-Verbrauch haben. Beim Ausfüllen der Fragen erhalten sie nebenbei weitere Infos zum Thema Energieverbrauch und Klimawandel bevor sie dann am Ende ihr individuelles Ergebnis mit Tipps und Anmerkungen erhalten.

Das Tool soll die SchülerInnen nicht entmutigen, sondern für die Thematik sensibilisieren. Der CO2-Rechner kann als Einstieg dienen sich mit dem Klimawandel auseinanderzusetzen, eigene Handlungsmodelle zu entwerfen und nicht zuletzt das Thema „Klimagerechtigkeit“ zu besprechen. 

Vielleicht wäre das ja auch etwas für Ihren Unterricht?

Unser Angebot

Wir möchten Sie herzlich einladen den CO2-Rechner gemeinsam mit ihren SchülerInnen auszuprobieren. Das OnlineTool ist kostenlos und frei zugänglich: http://www.klimagerechtigkeit-kate-stuttgart.klimaktivist.de/de_DE/popup/?cat=start

Ich würde mich im Anschluss über eine kurze Rückmeldung freuen. Dafür ist eine E-Mail ausreichend, in der Sie schreiben wann und wie viele SchülerInnen den Rechner benutzt haben. Gerne auch ein kleines Feedback wie der CO2-Rechner angekommen ist. Diese Infos sind sehr wertvoll für unsere interne Dokumentation. Ich würde mich daher über Ihre Rückmeldung freuen.

Wir bieten Ihnen aber auch an, einen Workshop für und mit Ihrer Klasse durchzuführen. Als Raum schlagen wir das Globale Klassenzimmer im Welthaus in Stuttgart vor. Inhaltlich geht es um das Thema Klimawandel/ Klimagerechtigkeit. Auch im Rahmen des Workshops werden wir den CO2-Rechner benutzen. Der Workshop besteht aus kurzen inhaltlichen Inputs und interaktiven Methoden des Globalen Lernens. 

Falls Sie Interesse haben, melden Sie sich gerne!

Klimagerechtigkeit

Klimagerechtigkeit ist ein Prinzip, das weltweit jedem Menschen – einschließlich zukünftiger Generationen – das gleiche Recht an der Nutzung der Atmosphäre zugesteht. Um das Weltklima nicht aus den Fugen geraten zu lassen, muss die Erderwärmung auf weniger als 2°C beschränkt werden. Dazu dürften durch jeden Weltbürger jährlich nur ca. 2 Tonnen CO2 verursacht werden. Heute liegen die Länder der EU jedoch bei durchschnittlich 9 Tonnen CO2 pro Kopf und Jahr und ein Bürger der USA verbraucht jährlich im Durchschnitt über 20 Tonnen CO2. Die meisten Länder des Globalen Südens dagegen könnten im Sinne der Klimagerechtigkeit ihren Verbrauch verdoppeln. 

Besonders ungerecht ist dabei, dass die Menschen, die durch ihre Lebensweise am wenigsten zum Klimawandel beitragen, am stärksten davon betroffen sind. Vor allem die ärmsten und verwundbarsten Menschen auf der Welt sind von den Auswirkungen des Klimawandels am stärksten betroffen. Sie können sich gegen immer häufiger auftretende extreme Wetterereignisse wie Flut oder Dürre, Taifune und Wirbelstürme nur sehr schwer schützen. Die Folgen von diesen extremen Wetterereignissen und daraus resultierenden Verluste und Schäden sind für sie und ihre Familien verheerend. 

Klimagerechtigkeit bedeutet, dass…

…der CO2-Verbrauch der Menschen auf der Welt gerecht verteilt wird. 

…die Risiken des Klimawandels, sowie klimabedingte Schäden und Verluste gerecht auf allen Schultern verteilt werden. 

…Industrienationen die am stärksten betroffenen Menschen und Länder durch Anpassungsstrategien an den Klimawandel unterstützen.

Klimagerechtigkeit soll für jetzt betroffene Menschen und auch für zukünftige Generationen gelten.