Fachgespräch Finanzielle Nachhaltigkeit
KirUm-Aktionsjahr - das war die 1. Veranstaltung:
Fachgespräch Finanzielle Nachhaltigkeit
Schwerpunkt: nachhaltige Geldanlagen
Eines der Ziele des KirUm - Aktionsjahres ist die Weiterentwicklung des Kirchlichen Umweltmanagements hin zum Nachhaltigkeitsmanagement. Darin werden neben der Ökologie auch soziale und ökonomische Aspekte berücksichtigt. Während das Soziale zum „Kerngeschäft“ der Kirche gehört und die Ökologie das Hauptthema beim Kirchlichen Umweltmanagement ist, wird die Ökonomie bisher oft weniger beachtet.
Die Spannung war daher groß, als gleich zu Beginn des Aktionsjahres dieses komplexe Thema in Form eines Fachgesprächs auf der Tagesordnung stand. 15 Finanzverantwortliche aus kirchlichen und nicht kirchlichen Einrichtungen diskutierten am 13. März 2008 in Stuttgart über die Möglichkeiten und Grenzen beim verantwortungsvollen Umgang mit finanziellen Ressourcen. Angeleitet wurden sie dabei von drei Referenten: Dr. Helge Wulsdorf (Leiter Nachhaltige Geldanlagen, Bank für Kirche und Caritas, Paderborn), Wolfgang Steuber (Wertpapierspezialist, Evangelische Kreditgenossenschaft Kassel) und Günter Koschwitz (Geschäftsführer, Kontaktstelle für Umwelt & Entwicklung, Stuttgart).
Auf der Tagesordnung stand nach der allgemeinen Einführung in das Thema Nachhaltigkeitsmanagement und der Einschätzung der aktuellen Situation insbesondere die Verdeutlichung der Möglichkeiten bzw. Chancen und Grenzen von Geldanlagen nach nachhaltigen Kriterien. Dabei stehen die Verantwortung gegenüber der eigenen Organisation und die damit verbundene Verpflichtung, eine möglichst hohe Rendite zu erzielen oft vermeintlich im Gegensatz zum Verantwortungsgefühl gegenüber der Nachwelt, der Umwelt und den Mitmenschen.
In der Praxis stößt man bei der Umsetzung eigener Vorstellungen im Bereich nachhaltigen Investments meist schnell an Grenzen, die bei der Beschaffung von zuverlässigen Informationen zu verschiedenen Anbietern bzw. Produkten anfangen und mit der eigenen Definition des Nachhaltigkeitsbegriffs noch lange nicht aufhören. Die Anlage der finanziellen Ressourcen nach nachhaltigen Kriterien bietet allerdings auch große Chancen. So werden, gerade bei kirchlichen Einrichtungen und Gemeinden, die Glaubwürdigkeit und das Bild nach außen gestärkt. Auch im Hinblick auf die zu erzielende Rendite können Geldanlagen unter nachhaltigen Gesichtspunkten deutliche Vorteile gegenüber solchen haben, die auf kurzfristige Erfolge ausgerichtet sind, denn mit der ausdrücklichen Ausrichtung auf die Zukunftsfähigkeit geht auf lange Sicht auch eine Erhöhung der Sicherheit einher.
Nachhaltige Geldanlagen sind in jeder Größenordnung und mit verschiedenen Laufzeiten möglich. Ob z.B. Spenden für eine neue Orgel gesammelt werden und das vorhandene Geld nur so lange „geparkt“ werden soll bis der gesamte Betrag zusammengekommen ist oder ob für größere Beträge eine langfristige Anlagemöglichkeit gesucht wird – wichtig ist eine strukturierte Vorgehensweise bei der Planung der Geldanlage.
Da das Nachhaltigkeitsverständnis und damit die anzulegenden Kriterien sich selbst innerhalb der Kirche sehr stark unterscheiden, kann es keinen allgemein gültigen Nachhaltigkeitsfilter geben. Dies zeigte sich bei der Werkstattarbeit am Nachmittag. Die größten Hürden bei der Erstellung eines allgemein gültigen Nachhaltigkeitsfilters wurden aufgezeigt: die individuell unterschiedlichen Auffassungen und die Praktikabilität. Genau hier liegt das Problem bei der Anwendung von öffentlich zugänglichen Nachhaltigkeitsfiltern. Diese sind vielfach zu allgemein, um einerseits den eigenen Vorstellungen zu entsprechen und andererseits die Umsetzung in der Praxis zu ermöglichen.
Daher ist die Ausarbeitung eines individuellen und praktikablen Nachhaltigkeitsfilters häufig nur mit Hilfe von Experten möglich und setzt darüber hinaus gerade bei ethischen Abwägungsprozessen eine gewisse Kompromissbereitschaft voraus, damit die Anwendbarkeit gewährleistet ist.
Von dem Fachgespräch wurde - wie von allen anderen Veranstaltungen des KirUm-Aktionsjahres - eine Dokumentation erstellt. Ziel der Dokumentation ist es, durch die Berücksichtigung der aufgezeigten Schritte sowie das Wissen um die Chancen und Grenzen bei nachhaltigen Geldanlagen den Einstieg in die Diskussion mit einem Bankberater zu erleichtern.
Kontakt:
Ute Timmermann, E-Mail: kirum@kate-stuttgart.org
Daniela Kirchner, E-Mail: teamassistenz@kate-stuttgart.org